14.4.2. 


Dana

Wie erwerbe ich anerkennenswerte Verdienste aus guten Taten


Eine Dhamma-Abhandlung von Phra Ajahn Plien Panyapatipo

Teil 1.   Die Spendengabe gemäss der Sutta

Teil 2.   Die Spendengabe gemäss der Vinaya / Darbietung von Gewändern und Bekleidung an den Mönch / Darbietung von Essensspenden und Getränken an den Mönch / Probleme bei der Darbietung von Essensspenden 

Teil 3.   Zeitpunkt und Art der Essensspende an den Mönch / Bereitstellung von Unterkünften für Mönche / Medizinische Spendengaben 

Teil 4.   Absicht des Verdiensterwerbs 

Teil 5.  Übergabe der Spenden an den Mönch

Teil 6.  Die Spende, der Mönch und der Spender / Spenden an Behinderte / Die Spende und unsere Absicht


Teil 1


Werter Buddhist, in dieser Abhandlung möchte ich grundlegende Gute Taten oder Tugenden erörtern, nach denen wir all streben. Das hier abgehandelte Thema befaßt sich mit Dana oder der Spende, die eine Grundform der Guten Tat im Buddhismus darstellt.

Wenn wir uns anerkennenswerte Verdienste durch die Spendengabe erwerben wollen, müssen wir zunächst erst einmal wissen, wie wir die Spendengabe ordnungsgemäß ausführen. Wir müssen uns daher informieren, damit wir verstehen, was getan werden muß und nicht getan werden darf, wenn wir eine Spende ordnungsgemäß darreichen wollen.

Um sich hohe anerkennenswerte Verdienste aus der Spendengabe zu erwerben, sind zunächst die zu spendenden Sachen -vorzubereiten, die wir rechtens erworben haben, so daß die Spende selbst moralisch unbedenklich und rein ist.

Nach dem Buddhistischen Kanon: Sutta-pitaka, die Abhandlungen Buddhas; Vinayapitaka, das Buch der Disziplinregeln; und Abhidhamma-pitaka, die höheren Feinheiten des Dhamma, sind viele Dinge für eine Spendengabe geeignet.


Die Spendengabe gemäss der Sutta


Dana oder die Spendengabe gemäß der Sutta - den Abhandlungen Buddhas - wird nach zehn Arten unterschieden: Essens- und Kleiderspende, Bereitstellung von Fahr- und Transportmöglichkeiten, Blumenspenden, Weihrauch und Duftstoffe, Matten und Bodenabdeckungen, Medikamente und Licht.

Alle zehn Spendenarten können Menschen und Tieren dargereicht werden. Tieren jedoch, können nur einige dieser Spenden dargeboten werden. Beispielsweise können wir Reis spenden, nicht aber einer Kuh, da diese keinen Reis frißt.

Alle zehn Spenden können wir andererseits Menschen darbieten, beispielsweise Behinderten - Blinden, Tauben, Gelähmten, geistig Behinderten, usw. - Armen, Waisen, jenen, die Hab und Gut durch Feuer, Flut, Sturm, Dürre, Kriege oder andere Katastrophen verloren haben.

Alle zehn Spenden können wir Notleidenden als allgemeine Wohltätigkeit zukommen lassen, um ihre Leiden zu lindern und ihnen so viel Glück wie möglich zu ermöglichen.


Teil 2

Die Spendengabe gemäss der Vinaya


Die Spendengabe gemäß der Vinaya, dem Buch der Disziplinregeln, wird nach vier Arten der Spendengabe an Mönche und Novizen unterschieden. Diese werden als die Nisaya oder die vier Notwendigkeiten bezeichnet, von denen das Mönchsleben abhängt. Diese vier Lebensnotwendigkeiten sind: Jivara Mönchsgewand, Bekleidung; Pintapata - Essensspende und Getränke; Senasana - Unterkunft und Bhesajja - Medizin und medizinische Geräte. Abgesehen von diesen vier Spendenarten gibt es noch Sondergaben oder Sonderzuwendungen für den Mönch oder Novizen.

Wir Buddhisten sollten wissen, was zu tun ist und was nicht getan werden darf, wenn wir dem Mönch oder Novizen Spenden darbieten, und wir sollten ebenfalls über die Tradition des Mönchslebens Bescheid wissen. Es ist auch wichtig zu wissen, was dem Mönch oder dem Novizen angeboten werden darf und was nicht. Viele Menschen wissen dies nicht und machen daher Fehler bei der Spendengabe.

Daher möchte ich Ihnen allen, die sich Verdienste erwerben wollen, einige Ratschläge geben, damit sichergestellt wird, daß Sie sich anerkennenswerte Verdienste erwerben. Daher sollten Sie die einzelnen Spendengaben in ihrer Bedeutung verstehen.

Bei der Spendengaben an den Mönch und Novizen gibt es im Buddhismus verschiedene Dinge, die zu beachten sind, um eine Spende ordnungsgemäß darzubieten.


Darbietung von Gewändern und Bekleidung an den Mönch


Die erste Art der Spendengabe für den Mönch und den Novizen gemäß der Mönchsdisziplin ist die Darbietung von Gewändern und Bekleidung. Dieses sind das gelbe Gewand, das äußere Gewand, das Untergewand und andere Bekleidungsstücke ein Badetuch oder Regentuch, ein Bettlaken, Handtücher und ein Taschentuch.

Üblicherweise trägt der Mönch drei Bekleidungsstücke - das Gewand, das Untergewand und das äußere Gewand. Wir können alle drei oder eines der Gewänder und andere Bekleidungsstücke darbieten, wie wir dies möchten, müssen aber darauf achten, daß sie die richtige Farbe, Art, Form, Länge und Weite haben, so daß sie für den Mönch passen.


Darbietung von Essensspenden und Getränken an den Mönch


Bei der Darbietung von Essensspenden und Getränken müssen wir wissen, welche Speisen und Getränke hierfür geeignet sind, und welches die richtige Zeit hierfür ist, damit sie vom Mönch konsumiert werden können. Wenn wir wissen, was zu welcher Zeit dargeboten werden darf, so wird dies sowohl für den Spender als auch für den Mönch genehm sein.


Probleme bei der Darbietung von Essensspenden


Bei der Darbietung von Essensspenden und anderer Spenden an den Mönch müssen mir diese dem Mönch in die Hand oder in seine Spendenschale geben. Tun wir dies nicht, so kann der Mönch die Spende nicht annehmen, weil die Spende noch Eigentum des Spenders ist und der Mönch sie nicht annehmen darf. Dies ist eine der Disziplinen, der der Mönch unterliegt.

Ist der Spender ein Mann, so kann der Mönch Gegenstände direkt aus dessen Hand entgegennehmen. Dies ist einem Mönch jedoch bei einer Spenderin nicht gestattet(1). Dies ist keine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts. Es ist Mönchen und Novizen nicht gestattet, Frauen oder weibliche Tiere zu berühren, da dies in ihnen sexuelle Gelüste wecken könnte, was der Priesterschaft und dem Novizenleben abträglich ist. Indem man darauf achtet, daß der Mönch nicht in die Verlegenheit gerät, Gegenstände direkt aus der Hand einer Frau entgegennehmen zu müssen, wird dieses Problem unterbunden.

Um Spendengaben von einer Frau entgegennehmen zu können, wird der Mönch ein kleines Tuch vor sich ausbreiten und die Spenderin kann nun ihre Gabe auf diesem Tuch abstellen', wonach der Mönch die Spende an sich nimmt.

Problematisch ist, daß die meisten Spender ihre Gaben direkt dem Mönch geben möchten, weil sie glauben, daß sie sich andernfalls keine Verdienste erwerben können. Dies ist jedoch ein Mißverständnis.

Manchmal werden mehr Essensspenden dargereicht, als der Mönch innerhalb eines Tages verzehren kann. Ein Teil der Essensspende kann für den nächsten Tag zum Verzehr aufgehoben werden. Der Mönch kann den Spender freundlich bitten, einen Teil der Essensspende in der Küche des Tempels abzugeben, oder einer Laiensperson übergeben, die den Mönch oder den Tempel versorgt, damit die Essensspende dein Mönch an den folgenden Tagen dargeboten werde kann. Dies scheint einige Buddhisten zu beleidigen. Sie beschweren sich dann möglicherweise darüber, daß der Mönch schwierig im Umgang sei.

Hier sollte zur Kenntnis genommen werden, daß Essensspenden, die dem Mönch im Verlaufe des Morgens dargeboten werden, von diesem und einem Novizen nur bis zum Mittag(2) des gleichen Tages verzehrt werden können. Einige Mönche und Novizen nehmen nur eine Mahlzeit pro Tag während des Vormittags zu sich. In anderen Tempeln nehmen sie zwei Mahlzeiten zu sich, eine am frühen Morgen und die zweite vor dem Mittag. Es ist ihnen auch nicht gestattet, übrig gebliebenes Essen für den Verzehr am nächsten Tag aufzuheben, und sie dürfen auch keine Nahrungsmittel lagern. Es ist dies ein religiöser Verstoß. In der Praxis bedeutet dies, daß der Mönch alle übrig gebliebenen Nahrungsmittel an Personen oder Tiere in seiner Umgebung weiterreicht, denn er darf sie nicht an einen anderen Mönch weiterreichen.

Die Spender mögen nun glauben, daß sie, wenn sie dem Mönch nicht alle Nahrungsmittel darreichen, die sie mitgebracht haben, sich einen geringen Verdienst erworben haben. Aus diesem Grunde möchten sie alle Nahrungsmittel, die Sie in den Tempel mitbringen, dem Mönch direkt übergeben.

Einige Menschen erwägen dann sogar, in einen anderen Tempel zu gehen, wo sie ihrem Wunsch gemäß alle Essensspenden dem Mönch darbieten können. Dies ist darin begründet, daß sie um das Mönchsleben und die Mönchsdisziplinen, wie sie in der Vinaya niedergeschrieben sind, nicht genau unterrichtet sind und sie daher nicht verstehen.

Die Mönchstradition und die Regeln des Mönchslebens können von Menschen nicht verstanden werden, wenn sie diese nicht gründlich studiert haben. Sie wissen folglich nicht, was dem Mönch zu welcher Zeit (morgens oder nachmittags) dargeboten werden kann. Folglich wissen sie auch nicht, welche Nahrungsmittel ein Mönch zu jeder Zeit verzehren darf, wenn dies erforderlich ist.

Fußnoten:

(1) - Diese Art der Spendenübergabe wird nur in Thailand praktiziert - nicht aber in anderen buddh. Ländern, wie z.B. Sri Lanka oder Burma. Die direkte Entgegennahme von einer Frau ist kein Verstoß gegen die Mönchsregel.

(2) - Mittag bezeichnet den Zeitpunkt, wo die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat. In Ländern wo die Sommerzeit eingeführt wurde gilt dies zu beachten.


Teil 3


Zeitpunkt und Art der Essensspende an den Mönch


Die fünf Nahrungsmittel, die einem Mönch oder Novizen morgens nicht aber nachmittags oder nachts dargeboten werden können, sind: Grundnahrungsmittel, Süßspeisen, konservierte und getrocknete Nahrungsmittel, Fisch und Fleisch.

Die folgenden fünf Nahrungsmittel, die einem Mönch oder Novizen zu jeder Zeit dargeboten werden können, der Mönch kann sie morgens, nachmittags und nachts entgegennehmen und er darf sie sieben Tage aufbewahren, sind: Honig, Zucker und Sirup, Fett, Butterschmalz, Butter. Diese Nahrungsmittel werden als Medikamente angesehen, können aber vom Mönch nur maximal sieben Tage lang aufgehoben werden.

Medikamente können dem Mönch zu jeder Zeit dargeboten werden, die dann auch vom Mönch zu jeder Zeit, wenn erforderlich, konsumiert werden können. Fruchtsaft, Nam-pa-na genannt, kann dem Mönch zum Verbrauch nachmittags, abends und auch nachts dargeboten werden. Hierbei sollten wir allerdings beachten, wie dieser zuzubereiten ist.


Bereitstellung von Unterkünften für Mönche


Unterkünfte als Spendengabe für Mönche können beispielsweise sein: Wohnunterkünfte für Mönche, Predigtsaal, Studiensaal, Refektorium (Speisesaal), Klosterbibliothek, Schriftenbibliothek, Glockenturm, Rezitationsund Versammlungssaal, Uposatha oder der geweihte Saal für Versammlungen, Saal für das Buddha-Bildnis, Schreinsaal, Kreuzgangunterstände, Tempelbaderäume und toiletten und viele verschiedene Tempeleinrichlungen. Sowohl die Mönche als auch Laiensleute können diese Einrichtungen nutzen, was anläßlich religiöser Versammlungen / Handlungen eine Annehmlichkeit ist. Es ist allen genehm, diese Einrichtungen zu nutzen, da sie der Öffentlichkeit jeder Zeit zugänglich sind. Die Spende solcher Einrichtungen wird als eine weitere Möglichkeit gesehen, sich Verdienste zu erwerben.

Einige Menschen mögen sich fragen, ob sie sich Verdienste dadurch erwerben können, wenn sie öffentliche Einrichtungen außerhalb des Tempels errichten. Ja, sie können dies. Natürlich kann man sich nach der Lehre des Buddhismus Verdienste auf diese Weise erwerben. Durch die Spende einer öffentlichen Einrichtung außerhalb eines Tempels können wir viel für die Allgemeinheit tun. Beispiele hierfür sind: Unterstände an Landstraßen, öffentliche Toiletten, Schulen, Krankenhäuser, Wohlfahrtseinrichtungen, Regierungsgebäude, öffentliche Brunnen, Wasserteiche, Bewässerungssysteme, Wasserdämme, öffentliche Wege, Brücken, öffentliche Gärten und viele andere Einrichtungen.

Kurz gesagt, wir können uns durch Bereitstellungen von Unterkünften und Einrichtungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Tempels Verdienste erwerben.


Medizinische Spendengaben


Diese Spendengaben beziehen sich auf Medikamente, medizinische Geräte und medizinischen Einrichtungen, die der Heilung der Kranken dienen und die die Leiden für Mönche als auch für Laien lindern.

Wer studiert, um Arzt oder Krankenschwester zu werden und den Kranken zu helfen, erwirbt sich Verdienste.

Wer andererseits dazu beiträgt, Krankenhäuser zu errichten oder medizinische Ausrüstungen herzustellen, erwirbt sich ebenfalls Verdienste.

Auf welche Weise auch immer wir versuchen, Kranke von ihren Leiden zu befreien oder Mönche oder andere Menschen gesund zu machen, erlangen wir Verdienste.


Teil 4

Absicht des Verdiensterwerbs


Der eigene Wille und die Absicht zählen für den Erfolg des Erwerbs von Verdiensten.


1. Bhuppa chetana: Die Vorabsicht


Dies bedeutet, daß wir vor dem Erwerb des Verdienstes den Willen und die Absicht haben und glücklich sein sollen über den Verdienst, den wir beabsichtigen zu erwerben.

Zunächst müssen wir die Vorbereitungen für die Spendengabe treffen. Die Spende sollte moralisch einwandfrei gestiftet werden und durch ehrenvoll verdientes Geld erworben werden. Dies bedeutet, daß Spendenmittel moralisch einwandfrei sein müssen.

Wenn wir die Spende vorbereiten oder Mittel für die Spende käuflich erwerben, sollten wir glücklich und zufrieden über unser Tun sein, gleichgültig, wieviel Geld wir dafür ausgeben. Wir sollten immer daran denken, daß wir das Richtige tun. Dies bedeutet, daß Wille und Absicht unseres Tuns gut und rein sind.


2. Munchana chetana: Die Zwischenabsicht


Nachdem wir unsere Spende vorbereitet haben, sind wir nun bereit, sie darzubieten. Nehmen wir an, daß wir die Spende einem bestimmten Mönch in einern bestimmten Tempel darbieten wollen. Wir werden Zunächst den Mönch aufsuchen, dem Abbild Buddhas und dem Mönch unsere Ehrerbietung erweisen. Wir könnten unsere Absicht erklären, die 5 Regeln einzuhalten, indem wir ein Gelübde ablegen ("ich verpflichte mich den 5 Übungsregen: davon abzusehen, Leben zu nehmen, nicht zu stehlen, keinen Ehebruch zu begehen, nicht zu lügen und keine berauschende Mittel zu mir zu nehmen"). Hierdurch reinigen wir uns. Der Mönch als Empfänger der Spendengabe muß ebenfalls rein sein, was durch die 227 Mönchsregeln vollzogen wird.

Wenn sowohl der Spender als auch der Empfänger moralisch rein und bereit sind, dann übergeben wir respektvoll die Spende in angemessener Weise an den Mönch.

Wie Spendengaben dem Mönch darzubieten sind, erörtern wir später.


3. Aparapara chetana: Die Nachabsicht


Wenn der Mönch die Spendengabe erhalten hat, wird er uns wohlwollend segnen und wir werden diesen Segen von ganzem Herzen entgegennehmen. Wir werden uns immer glücklich schätzen, wenn wir uns der guten Tat erinnern, die wir vollbracht haben. Dies ist die sogenannte Aparapara chetana oder das gute Gefühl nach Erwerb des Verdienstes.

Der wichtigste Gesichtspunkt beim Erwerb von Verdiensten sind unser Wille und unsere Absicht hierbei. Gleichgültig, wieviel die Spendengabe kostet, wir groß und von welcher Qualität sie ist, sie muß moralisch einwandfrei sein, unsere Absicht muß eine gute sein, und der Empfänger der Spende muß moralisch einwandfrei sein und seine Absicht muß eine gute sein. Passen alle drei Komponenten richtig zusammen, so werden wir uns große Verdienste erwerben. Dies bedeutet, daß wir uns immer glücklich schätzen können, wenn wir an unsere Spendengabe denken oder darüber reden.

Nachdem wir die Spende übergeben haben, sollten wir unsere guten Gefühle übertragen. Dies bedeutet, daß wir unsere Verdienste auf andere übertragen, indem wir anderen Wesen wünschen, daß es ihnen gut ergehe und daß sie sich in der gleichen Weise glücklich fühlen wie wir nach Vollendung unserer guten Tat.



Teil 5

Übergabe der Spenden an den Mönch


Gemäß der Vinaya oder der Mönchsdisziplinen, darf der Mönch keine Spenden entgegennehmen, wenn sie ihm nicht dargereicht worden sind. Dies wäre ein religiöses Vergehen, Es ist daher für uns Buddhisten wichtig zu wissen, was bei der Darreichung von Spendengaben zu tun ist.

Zunächst müssen Größe und Gewicht der dargereichten Spende so bemessen sein, daß sie von einer Person getragen werden können. Sie sollte nicht zu schwer sein, weil dies für den Mönch und für den Spender unpraktisch ist. Bei kleineren und leichteren Spenden tritt dieses Problem nicht auf.

Wenn sowohl der Mönch als auch der Spender bereit sind, so sollte der Abstand zueinander Armeslänge oder einen Meter betragen. Die Spende kann dann angemessen respektvoll dem Mönch übergeben werden. Der Mönch kann nun ebenfalls die Spende entsprechend respektvoll entgegennehmen.

Wird die Spende mit beiden Händen dargereicht, so wird sie auch mit beiden Händen entgegengenommen.

Der Mönch darf Spenden nicht direkt aus den Händen einer Frau entgegennehmen. Er benutzt daher ein Tuch, das er vor sich ausbreitet, um die Spende entgegenzunehmen(1). Die Frau stellt dann die Spende auf dieses Tuch. Hierbei gilt sinngemäß, wird die Spende mit einer Hand dargereicht, so wird sie auch mit einer Hand angenommen. Spender und Empfänger müssen dies ebenfalls in angemessen respektvoller Weise tun. Es ist dann eine geziemend schöne und ordnungsgemäße Handlungsweise der Spendendarreichung an den Mönch.

Essensspende während der Sammelrunde

Mönchen ist es verboten, Nahrungsmittel zu lagern und zu kochen. Daher ist das Sammeln von Spenden Bestandteil ihrer täglichen Routine. Einige Mönche essen nur einmal am Tag während des Vormittags, andere nehmen zwei Mahlzeiten ein - am frühen Morgen und vor der Mittagszeit. Nach 12 Uhr mittags(2) dürfen Mönche nicht essen, ausgenommen bei Krankheit.

Als morgendliche Routine wird daher vom Mönch erwartet, daß er sich auf seinen Spendensammelgang begibt. Der buddhistische Laie trägt zur tägliche Ernährung des Mönchs und Novizen bei. Er tut dies als einen religiösen Dienst und unterstützt dadurch gleichermaßen den Buddhismus.

Die Darreichung der Essensspende an den Mönch auf seiner Sammelrunde muß ebenfalls ordnungsgemäß erfolgen. Wer eine Spende darreichen möchte, muß diese zubereiten und sich bereit halten. Es muß für den Mönch ersichtlich sein, daß man dem Mönch eine Spende übergeben möchte. Wenn der Mönch nun kommt, bleibt er vor dem Spender stehen und hebt den Deckel seiner Spendenschale ab. Der Spender legt nun die Nahrungsmittel nacheinander sorgfältig in die Spendenschale. Der Mönch nimmt die Essensspende stumm und respektvoll entgegen und segnet uns somit im gleichen Augenblick.

Während der Sammelrunde trägt der Mönch keine Schuhe(3). Wir müssen daher bei der Spendenübergabe ebenfalls unsere Schuhe ausziehen. Tun wir dies nicht, so stehen wir höher als der Mönch. Dies ist unangemessen und unhöflich. Hiervon sind Regierungsbeamte, Soldaten und Polizisten in Uniform ausgenommen.

Steht der Mönch jedoch auf einem Podest oder einer Matte, was verstanden wird, als stehe er höher als wir, so ist es nicht erforderlich, daß wir die Schuhe ausziehen.

Fussnoten:

(1) Diese Art der Spendenübergabe wird nur in Thailand praktiziert - nicht aber in anderen buddh. Ländern, wie z.B. Sri Lanka oder Burma. Die direkte Entgegennahme von einer Frau ist kein Verstoß gegen die Mönchsregel.

(2) Mittag bezeichnet den Zeitpunkt - wo die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat. In Ländern wo die Sommerzeit eingeführt wurde gilt dies zu beachten.

(3) In Buddhistischen Klöstern des Westens macht man auf Grund von klimatischen Unterschieden zu Asien Ausnahmen.


Teil 6

Die Spende, der Mönch und der Spender


Im Ergebnis ist der Verdiensterwerb abhängig von der Qualifikation dreier Komponenten. Diese sind: Der Empfänger, die Spende und der Spender.

Im Ergebnis hängt der Verdiensterwerb davon ab, von welcher Qualität der Empfänger der Spende ist. Übergeben wir die Spende einem Mönch, so wird der Verdienst um so höher, je reiner und umsichtiger der Mönch ist.

Geben wir Nahrungsmittelspenden an Tiere, so erwerben wir uns sehr geringe Verdienste. Dies ist darin begründet, daß Tiere von niedrigerem Stand sind als Menschen. Ein Tier kann keine religiösen Regeln einhalten. Buddhisten glauben, daß die Beachtung religiöser Regeln ein moralisches Training oder ein Reinigungsprozeß sind. Aus gleichem Grund erwerben wir geringe Verdienste, wenngleich mehr als bei der Spendengabe an Tiere, wenn wir Spenden an Menschen übergeben, die sich nicht an die 5 Regeln halten, beispielsweise boshafte Menschen. Wir spenden boshaften Menschen, um ihnen zu helfen sich moralisch zu verbessern. Es besteht ja eine gewisse Hoffnung, daß Menschen belehrbare Tiere sind, oder bezüglich Tugend und Moral auf einem höheren Stand als Tiere.

Spendengaben an Menschen, die sich an die 5 Regeln halten (davon absehen, Leben zu nehmen, nicht zu stehlen, keinen Ehebruch zu begehen, nicht zu lügen und keine berauschende Mittel einzunehmen), sind sicherlich verdienstvoller als Spenden an solche, die weder die 5 Regeln beachten noch als gültig anerkennen. Noch höhere Verdienste erwerben wir, wenn wir solchen Menschen spenden, die eine größer Anzahl der Regeln beachten, zum Beispiel die 8 oder 10 Regeln. Eine weitere Steigerung unseres Verdienstes erfahren wir, wenn wir einem Mönch spenden, der alle 227 Regeln einhält.

Es ist daher der höchste mögliche Verdienst, wenn wir einem Vollkommenen / Erhabenen (Phra Arahant) spenden. Denn allerhöchsten Verdienst erwerben wir, wenn wir Buddha spenden.

Ist unser Spende moralisch unrein, das heißt, die Spende wurde unredlich erworben, wir als Spender führen einen unmoralischen Lebenswandel, oder wenn der Mönch, der die Spende entgegennimmt, die 227 Regeln nicht ordnungsgemäß befolgt, so erwerben wir einen sehr geringen Verdienst. In diesem Beispiel sind alle drei Komponenten moralisch unrein.

Betrachten wir ein anderes Beispiel. Wenn die Spende moralisch rein ist, wir als Spender die 5 Regeln wohl beachten, der Mönch aber seine Regeln nicht vollkommen einhält, so erwerben wir ebenfalls sehr geringe Verdienste. Dies ist vergleichbar mit dem Reisanbau auf Sand oder am Meeresufer ohne Dünger. Die Pflanze wird nicht gut gedeihen. (Die Spende ist der Samen und der Empfänger ist der Boden). Der Mönch ohne Moral oder Perfektionierung der Einhaltung seiner religiösen Regeln ist wie der Boden ohne Dünger. Wenn wir einem solchen Mönch spenden, erwerben wir sehr geringe Verdienste, so als ob wir Land ohne Dünger bestellen.

Wenn wir jedoch eine moralisch reine Spende darreichen, selbst als Spender moralisch rein und guter Absicht sind und der Mönch seine religiösen Regeln in vollkommener Weise beachtet, so gereicht uns die Spende zu umfassenden und vollkommenen Verdiensten.

Unreine Spenden unmoralische Spender und Mönche unterschiedlicher Stellung

Nehmen wir an, daß wir unsere religiösen Regeln nicht richtig beachten, die Spende moralisch nicht ganz rein ist, der Mönch aber, der die Spende empfängt, seine Regeln auf vollkommene Weise einhält, so können wir dennoch gute Verdienste erwerben. Der Wert unseres Verdienstes würde in diesem Fall etwa um die Hälfte gemindert. Wenn wir diesen Mönch mit einem drittklassigen Boden gleichsetzen, so kann die Pflanze gedeihen und Früchte tragen, etwa 2 oder 3 Ähren pro Pflanze.

Nehmen wir nunmehr an, daß wir unsere religiösen Regeln nicht richtig beachten, die Spende moralisch nicht ganz rein ist - gestohlen wurde, der Mönch aber, der die Spende empfängt, seine Regeln auf vollkommene Weise einhält und zusätzlich über eine gute Meditationspraxis verfügt, so erwerben wir einen höheren Verdienst als im vorgenannten Beispiel, aber immer noch keinen vollkommenen. Der Mönch in diesem Beispiel ist mit einem zweitklassigen Boden mit Düngereinsatz vergleichbar.

Wenn wir und unsere Spende moralisch unrein sind, die Spende aber einem Phra Arahant einem Vollkommenen / Erhabenen darreichen, so erwerben wir uns einen großen Verdienst. Dies ist vergleichbar mit der Bestellung eines erstklassigen Bodens. Jede Pflanze trägt viele Ähren und jede Ähre trägt viele Körner.

Wenn wir keinen perfekten Mönch finden können

Nehmen wir nunmehr an, daß wir uns Verdienste erwerben wollen, aber keinen guten und perfekten Mönch finden, der unseren Erwartungen entspricht. Wir sollten dennoch Mönchen Spenden darreichen, oder so oft spenden wie wir können. Auf diese Weise häufen wir Verdienste an, vergleichbar mit Wasserschöpfen aus sandigem Grund, das dennoch einen Krug füllt, wenn wir uns entsprechend ins Zeug legen.

Wenn wir beständig Mönchen Spenden darreichen, dies mit einem glücklichen Gefühl vollbringen und daran denken, daß wir unsere Spende Buddha oder einem perfekten Mönch darreichen, so erwerben wir uns Verdienste und Glück. Wir sollten daher bei jeder unserer Spendengabe in glücklicher Verfassung und mit unserer Handlung zufrieden sein.


Spenden an Behinderte


In der heutigen Zeit spenden wir den Blinden, den Tauben, den Behinderten und den Alten. Der Verdienst, den wir uns dadurch erwerben, entspricht deren moralischer Qualität. Buddha lehrt, daß alle Buddhisten zum Teilen bereit sein müssen. Wir sollten das, was wir uns leisten können, mit unseren armen Mitmenschen und anderen Lebewesen teilen.


Die Spende und unsere Absicht


Bei der Darreichung der Spende ist unsere Absicht von großer Bedeutung:

1. Vornehmlich ist unsere gute Absicht bei der Spendengabe von entscheidenderer Bedeutung als die Menge oder der Preis der Spende. Dies nennen wir Bhuppa chetana oder die Vorabsicht - die gute Absicht der Spendengabe.

2. Beachtet der Mönch, der die Spende entgegennimmt, seine religiösen Regeln und sind der Spender und die Spende vollkommen rein, so erwerben wir uns große Verdienste, gleichgültig wie gering unsere Spende an den guten Mönch sein mag. Dies gilt in gleicher Weise Ihr Spenden an unsere Mitmenschen. Wir sollten dies willentlich, auf nette und gütliche Weise, respektvoll ausführen. Dies nennen wir Munchana chetana oder die Zwischenabsicht - willentlich und respektvoll Verdienste erwerben.

3. Spendet der Mönch nach erfolgter Spendenübergabe den Spendern willentlich Segen, die gleichermaßen den Segen in freudiger Weise empfangen und ihre guten Gefühle oder ihre Verdienste auf Wesen andere übertragen, so bezeichnen wir dies als Aparapara chetana oder die Nachabsicht - ein gutes Gefühl nach dem Erwerb des Verdienstes.


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