14.4.1.  

JEDER DAHINSCHWINDENDE MOMENT VERKÜRZT UNSER LEBEN!

1.

(Ein Dhammavortrag des Ehrenwerten Luang Puh Sim Bhuddajaro, Wat Tam Pah Plong, Provinz Chiangmai - Thailand)


Dies ist eine Gelegenheit, das Dhamma (die Lehre des Buddhas) zu hören und die Meditation zu üben!

Jede Nacht, die kommt und geht, jeder Tag, der dahinscheidet, jeder Monat, der vergeht oder jedes Jahr, das uns verläßt - sind nicht nur die Nächte, Tage, Monate und Jahre, die vergehen, sondern, was wirklich geschieht, ist, daß wir älter werden - oder, von einem anderen Winkel aus betrachtet, unser Leben verkürzt sich und schwindet dahin!

Wenn wir uns nicht in Meditation üben, werden wir normalerweise weder verstehen noch fühlen können, daß unser Leben dahingeht, vergänglich ist. Wir müssen uns vorstellen, daß wir ungefähr zehn Monate im Bauch unserer Mutter liegen, und sobald wir geboren werden, kommen wir in eine andere Welt. Die erste Welt war der Bauch unserer Mutter, die zweite Welt ist die Welt nach unserer Geburt. Um das neugeborene Kind kümmern sich dann Mutter, Vater und andere, die das Überleben des Kindes gewährleisten, bis es soweit herangewachsen ist, daß es sich um sein eigenes Leben kümmern kann.

Sollten wir bis jetzt noch keine gründlichen Betrachtungen über diese Themen angestellt haben, wird es schwierig sein, diese Wahrheiten zu erfassen! Die Tatsache,- daß jeder älter wird und das Leben dahingeht, ist vor uns versteckt und schwer zu verstehen! Junge Menschen fühlen sich noch gesund und stark, aber wenn wir uns dem mittleren Alter nähern, werden unsere Körper naturgemäß schwächer und mit vorrückendem Alter auch Grundlage für verschiedene Krankheiten. Ein weiterer Beweis, daß unsere Lebenszeit dahingeht - mit jedem Tag, jeder Nacht, jedem Monat und jedem Jahr. Natürlich möchte jeder von uns lieber glauben, daß dem nicht so sei. Jedoch in Wirklichkeit ist unsere Lebenszeit der Vergänglichkeit unterworfen.

Nun wollen wir betrachten, wie verschiedene Organe und Teile unseres Körpers sich im Laufe der Zeit verändern. Unsere Sehfähigkeit zum Beispiel war einst sehr gut. Jedoch mit steigendem Alter können unsere Augen dieses oder jenes nicht mehr so klar sehen. Das gleiche geschieht mit unserer Hörfähigkeit. Als junge Menschen konnten wir das Gehörte klar und gut verstehen. Jedoch mit zunehmendem Alter hören wir verschiedene Töne und Klänge nicht mehr so deutlich und müssen später Hörhilfen benutzen. Ein weiteres Zeichen dafür, daß mit jedem Tag, jeder Nacht, jedem Monat und jedem Jahr auch unsere Seh- und Hörfähigkeiten dahinschwinden. ln Wirklichkeit können wir sehen, daß unser ganzer Körper diesem Zerfall unterworfen ist und es keine Möglichkeit geben wird, ihn in den gewohnten Zustand zurückzuholen. Wenn wir jung sind, haben wir gesunde und starke Körper. Wir können laufen und rennen und alles leicht erledigen. Sobald wir das höhere Alter jedoch erreicht haben, werden unsere Körper schwächer. Wenn wir laufen oder versuchen, verschiedene Dinge zu tun, spüren wir, daß alles, was wir tun, nur noch langsamer getan werden kann. Ein weiteres Zeichen dafür, daß unser Körper wirklich langsam zerfällt, bis eines Tages der Tod kommt.

Solange wir noch jung sind, sagen wir zu uns selbst: Wenn wir erst einmal alt sind, werden wir entspannen und ausruhen und können all das Geld, das wir gespart haben, ausgeben und wirklich glücklich sein. Aber in Wirklichkeit erfahren wir im Alter statt dem erwarteten Glück etwas, womit wir vielleicht nicht gerechnet haben. Nämlich, daß wir diese oder jene Krankheiten bekommen oder in irgendeiner anderen Form behindert sein werden. Je älter wir werden, desto anfälliger werden unsere Körper, und auch der Tod kann sich leichter einstellen! Es kann also anders kommen, als wir es vorher annahmen: daß sich in Wirklichkeit die erhoffte Entspannung und Freude im Alter in dieser Weise nicht einstellen müssen.

So ist der Tod in jedem von uns versteckt vorhanden, und doch kann niemand von uns diese Tatsache wirklich verstehen. Unsere Seh- und Hörfähigkeiten haben abgenommen und auch unsere Körperstärke ist geringer geworden.

Und dies geschieht mit jedem Tag, jeder Nacht, jedem Monat und jedem Jahr, die uns verlassen! Dieser langsame Zerfall unseres Körpers ist wie ein schleichender Tod, der solange von uns nicht wirklich verstanden wird, bis wir uns in der Meditation (samadhi-bhavana) üben!

Ohne weise Betrachtungen über das Dhamma wird es uns nicht möglich sein, diese Wahrheit wirklich zu verstehen - obwohl diese Wahrheit immer, überall und zu jeder Zeit zu sehen ist!

Die Tatsache, daß wir im Moment noch jung sind oder sich unsere Körper noch recht stark anfühlen, läßt uns übersehen, daß wir in Wirklichkeit die Elemente des Verfalls und der Vergänglichkeit in unseren Körpern herumtragen. Wir Menschen übersehen leicht diese Wahrheiten, die uns unsere Körper ständig mitteilen!

Und das nur, weil unser Geist (citta) gefüllt ist mit Täuschung und Verblendung.

Wenn wir eine Kerze anstecken, so wird sich die Kerze langsam selbst aufbrauchen, wird kleiner und kleiner, bis die Flamme schließlich ganz ausgeht. Dies ist vergleichbar mit dem Altern, mit unserem Leben und dem Element des ständigen Verlierens von "Etwas".

Stellen wir uns von, wir wären alle schon alt geworden, und statt des Glückes, das wir hofften zu finden, werden wir mit all den verschiedenen Formen von Leiden konfrontiert. Besonders alte Menschen werden leichter krank als sie es vorher gewohnt waren. Und wenn dann eines Tages der Tod an unser Türe klopft, kann niemand von uns irgend etwas mit sich nehmen. Auch wenn wir noch so sehr an diesen Dingen hängen, wie z.B. an der Liebe zu unseren Kindern, unserem Ehepartnern oder unseren Besitztümern.

Die Botschafter des Todes haben noch niemanden vergessen.

Dies ist ein Grund, warum wir gründliche Betrachtungen über das Vergehen der Tage, Nächte, Monate und Jahre anstellen sollten, eben um zu erkennen, daß auch unser Leben dieser Flüchtigkeit unterworfen ist und daß wir alle einmal sterben müssen!

Im Todesfälle von Verwandten oder Freunden werden traditionsgernäß Mönche eingeladen, um bestimmte Zeremonien durchzuführen und den Verstorbenen werden Opfergaben dargebracht. Dann wird der Körper verbrannt oder begraben. Wir nehmen an all diesen Zeremonien teil, geben ihnen jedoch nicht die angemessenen Betrachtung, die unseren Geist (citta) lehren könnten, daß das Leben wie ein Warten auf den Tod ist - und nicht wie jeder glauben mag, ein Warten auf zukünftige Glückseligkeit!

Wenn der Tod dann schließlich kommt, gibt es keine Möglichkeit mehr, ein Abschiedswort oder ein Aufwiedersehen zu irgend jemand zu sagen, denn der Tod sendet uns keine Zeichen, die sein Eintreffen vorher ankündigen würden!

Der Tod kann jederzeit zu jedem kommen - besonders in der heutigen Zeit, z.B. durch Verkehrsunfälle oder Flugzeugabstürze.

Und auch weiterhin denken wir alle, daß wir ein langes Leben führen und in Zukunft sehr glücklich sein werden, obwohl wir in Wirklichkeit jederzeit sterben können!

Wenn wir denken, daß wir vom Sterben weit entfernt sind, so tragen diese Gedanken gewisse Risiken in sich. Während wir schlafen oder irgendwo sitzen, wartet der Tod auf uns, ohne jemanden von uns zu vergessen.

Ich möchte jeden dazu ermahnen, die Meditationsübungen (samadhi-bhavana) aufzunehmen und sich mit der Wahrheit anzufreunden, daß unser Alter und unser Leben mit jedem vergehenden Zeitmoment verkürzt wird!

Den Tod hat der Buddha mit einem Waldbrand verglichen, der aus allen vier Richtungen gleichzeitig hereinbricht. Alle Tiere, die sich nicht rechtzeitig retten können, werden von dem Feuer verbrannt.

Aus diesem Grunde müssen wir uns in Meditation üben, um die Wahrheit der uns umgebenden Gefahren zu erkennen, und um uns nicht dem Glauben hinzugeben, wir seien nur von glücklichen Umständen umgeben. Durch die Übung der Meditation und der Hilfe weiser Erwägungen sehen wir, daß der Tod sich langsam und unaufhaltsam an uns heranschleicht; und daß wir uns mit den kleinen Freuden des Alltags schon zufrieden geben, ist wohl nicht die angemessene Einstellung, um der Wahrheit näher zu kommen!

Wenn Krankheiten und Gebrechen uns befallen, so werden sie unsere Willenskräfte schwächen. Wir beklagen unser Unglück, werden in ein Krankenhaus eingeliefert, von dem wir uns Hilfe erwarten.

Weder die beste Medizin noch das beste Krankenhaus werden aber unseren Tod verhindern können! Sogar die Ärzte, die dort arbeiten, müssen eines Tages sterben.

Alles gute Gründe, um sich dem Dhamma zuzuwenden und mit der Betrachtung über den Tod unseren Geist auf dieses Ereignis vorzubereiten! Geburt, Alter, Krankheit und Tod sind Realitäten, die unser Geist (citta) in der Gesamtheit ihrer Bedeutungen noch nicht wirklich erfaßt hat! Deswegen ist es wichtig, diese Realitäten oft zu bedenken und die Meditation zu üben, damit wir schließlich die Wahrheit erkennen.

Das heißt: Die Dinge sehen wie sie wirklich sind!

Abschließend zu diesem Dhammavortrag bleibt zu wünschen, daß wir die Wahrheit sehen mögen und verstehen werden, daß unsere Lebenszeit dahinschwindet.

Mit jeder Nacht, die kommt und geht, jedem Tag, der dahinscheidet, jedem Monat, der vergeht und jedem Jahr, das uns verläßt ... !


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